DENKANSTÖSSE / 07 · Kreativität · Kunst
Der Zufall als Methode.
Wer dem Zufall Raum gibt, entscheidet weiterhin über Regeln, Auswahl und Folgen.
Was geschieht, wenn die nächste Form durch einen Würfelwurf bestimmt wird? Zunächst entsteht eine Unterbrechung der eigenen Vorlieben. Eine Kombination erscheint, die wir möglicherweise nicht gewählt hätten. Ob sie interessant ist, bleibt anschließend zu beurteilen. Der Zufall kann einen Ausgangspunkt liefern. Welche Bedeutung dieser bekommt, entsteht durch die weitere Beschäftigung mit ihm.
Jean Arps Collagen gehören zu den bekannten künstlerischen Auseinandersetzungen mit Zufallsverfahren. Das Museum of Modern Art beschreibt ein Werk von 1916 bis 1917 mit entsprechend angeordneten Papierstücken. Zugleich weist das Museum darauf hin, dass die geordnete Komposition Zweifel an einer vollständig aufgegebenen Kontrolle weckt. Die häufig erzählte Entstehungsgeschichte sollte deshalb nicht mit einem lückenlosen Protokoll verwechselt werden.
Für eigene Versuche ist gerade dieses Zusammenspiel aufschlussreich. Schon die Wahl der Materialien und der möglichen Würfelergebnisse steckt einen Rahmen ab. Später entscheiden wir, welche Variante bleibt. Zufall hebt Verantwortung folglich nicht auf. Er verlagert einen Teil der Gestaltung in die Vorbereitung und Auswahl. Wer die Regeln dokumentiert, kann außerdem nachvollziehen, wodurch eine unerwartete Möglichkeit entstand. Vielleicht führt der Versuch zu einer brauchbaren Form. Vielleicht macht er vor allem sichtbar, wie eng unsere bisherigen Ausgangsbedingungen waren.
Zum Weiterdenken
Welche Entscheidung würdest du dem Zufall überlassen, und nach welchen Kriterien würdest du das Ergebnis anschließend beurteilen?