DENKANSTÖSSE / 05 · Handwerk · Wissenschaft
Die Intelligenz der Hände.
Im Umgang mit Material entstehen Fragen, die eine Zeichnung noch nicht stellt.
Ein dünner Streifen lässt sich auf dem Bildschirm mühelos zu einer Kurve formen. In der Hand widersetzt er sich, knickt ein oder federt zurück. Diese Rückmeldung verändert den Entwurf. Wir erfahren etwas über das Material und gleichzeitig über die Angemessenheit unserer Vorstellung. Das Werkstück beteiligt sich gewissermaßen am Gespräch, obwohl es weder denkt noch eine Absicht besitzt.
Dass körperliche Erfahrung Lernen unterstützen kann, wurde auch experimentell untersucht. Carly Kontra und ihr Forschungsteam berichteten 2015, dass eine kurze körperliche Erfahrung mit Drehimpuls das Abschneiden in anschließenden Wissensfragen verbesserte. Die Untersuchungen bezogen sich auf bestimmte physikalische Inhalte und Lernbedingungen. Sie belegen keine pauschale Überlegenheit handwerklichen Lernens und keine eigenständige Intelligenz der Hände.
Die Formulierung lädt dennoch dazu ein, Wissen genauer zu betrachten. Ein Teil lässt sich erklären, ein anderer zeigt sich darin, Druck zu dosieren oder eine Veränderung rechtzeitig wahrzunehmen. Beim gemeinsamen Arbeiten kann es deshalb hilfreich sein, eine Bewegung zu zeigen, ihre Wirkung zu beobachten und anschließend Worte dafür zu finden. Auch Werkzeuge und Hilfsmittel gehören dazu. Körperliche Erfahrung hat viele Formen. Entscheidend ist, welche Rückmeldung eine Person wahrnehmen und für den nächsten Versuch nutzen kann.
Zum Weiterdenken
Welche Eigenschaft eines Materials hast du erst verstanden, nachdem du selbst damit gearbeitet hast?