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DENKANSTÖSSE / 11 · Wissenschaft · Gesellschaft

Was wir nicht messen können.

Messwerte brauchen eine Erklärung dessen, was sie sichtbar machen und was offenbleibt.

Redaktionelle Reflexion · etwa 2 Minuten

Ein Stuhl besteht einen Belastungstest. Damit wissen wir etwas Wichtiges über sein Verhalten unter festgelegten Bedingungen. Wie willkommen sich eine Person darauf fühlt, ist damit noch offen. Auch solche Erfahrungen lassen sich untersuchen, etwa durch Gespräche und Befragungen. Die Schwierigkeit liegt darin, passende Begriffe und Verfahren zu finden und ihre Grenzen zu benennen.

Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt die Diskussion um das Bruttoinlandsprodukt ein verwandtes Problem. Die OECD betont, dass wirtschaftliche Produktion allein nicht darüber Auskunft gibt, ob das Leben insgesamt besser wird und wem Verbesserungen zugutekommen. Ihr Ansatz zur Wohlfahrtsmessung bezieht deshalb mehrere Dimensionen ein. Die Auswahl und Gewichtung solcher Größen bleiben begründungsbedürftig.

Der Titel dieses Beitrags lässt sich darum auch als offene Frage lesen: Was können wir derzeit mit unseren Mitteln nicht angemessen erfassen? Manche Eigenschaften entziehen sich einer einzelnen Zahl, andere wurden bisher kaum untersucht. Daraus folgt weder, dass Messungen wertlos sind, noch dass eine persönliche Einschätzung automatisch zutrifft. Interessant wird das Zusammenspiel: Ein Messwert kann eine Erzählung infrage stellen, eine Erfahrung kann eine unpassende Messgröße sichtbar machen. Sorgfalt heißt, beiden nachzugehen und verbleibende Unsicherheit auszusprechen, bevor aus einem Ergebnis eine Entscheidung wird.

Zum Weiterdenken

Welche wichtige Qualität deiner Arbeit fehlt in den Kriterien, nach denen ihr Erfolg beurteilt wird?