Die einzelnen Schritte sind auf dieser Website ausführlich beschrieben. Hier stehen sie in der Reihenfolge, in der sie im Projekt tatsächlich auftreten. Dieser Workflow erklärt sie deshalb nicht noch einmal — er zeigt, welche Entscheidung wann fällt, was sie festlegt und wo das Detailwissen dazu steht.
Die Arbeitsphasen im Überblick
Aufgabe, Material und Ausgangsformat klären
Konstruktion entwickeln
Daten und Unterlagen erzeugen
Fertigen
Montieren
Abrechnen und dokumentieren
Das brauchst du
Eine Aufgabe, die über eine Formidee hinausgeht: Nutzung, Ort, Rahmen
Die tatsächlich lieferbaren Materialformate und -stärken
Das Verfahren, mit dem gefertigt wird, und die Maschine dahinter
Eine Vorstellung davon, wer montiert und wie das Bauteil dorthin kommt
01
Aufgabe, Material und Ausgangsformat klären
Am Anfang steht keine Geometrie, sondern ein Rahmen: Was soll das Bauteil leisten, wo steht es, wie lange soll es halten, was darf es kosten.
Aufgabe definieren
Kommt die Aufgabe von einem Kunden, werden Projektart, Ort, Zeitrahmen und Budgetrahmen vor der Entwurfsarbeit geklärt. Geht es um einen Einbau im Bestand, steht das Aufmaß am Anfang — nicht der Plan.
Die Materialwahl legt Verfahren, Verbindungen, Oberfläche und Lebensdauer mit fest. Sie ist die weitreichendste Entscheidung dieser Phase und nicht die, die man zuletzt trifft.
Material kommt in festen Formaten und Stärken. Eine Platte, die nur in 18 mm lieferbar ist, darf im Modell nicht stillschweigend 20 mm dick sein — sonst stimmen später Nut, Fuge und Stückliste nicht.
Jetzt entsteht Geometrie — aber nicht als freie Form, sondern entlang der Entscheidungen aus Schritt 01.
Verbindung festlegen, bevor die Form steht
Wie zwei Bauteile zusammenkommen, bestimmt Wandstärken, Überstände, Kanten und Montagereihenfolge. Wird die Verbindung erst nach der Form gewählt, muss meist die Form nachgeben.
Jedes Bauteil ein eigenes Objekt auf einem eigenen Layer, benannt wie in der späteren Stückliste. Das ist keine Ordnungsfrage, sondern die Voraussetzung für Zeichnungen, Fräsdaten und Explosionsdarstellung.
Im Modell passt alles exakt, in der Werkstatt nicht. Spiel gehört dorthin, wo gefügt wird. Beschläge, Scharniere und Auszüge bringen eigene Maße mit — sie werden vor der Konstruktion ausgewählt, nicht danach gesucht.
Ein Innenradius beim CNC-Fräsen entsteht durch den Werkzeugdurchmesser. Eine konstruktiv scharfe Innenecke ist deshalb nicht automatisch fräsbar. Dasselbe gilt für die Schnittfuge beim Lasercut.
Die Oberfläche wird meist vor der Endmontage aufgebaut, weil danach Flächen unzugänglich sind. Welches System gewählt wird, entscheidet zugleich, ob sich die Fläche in zehn Jahren auffrischen lässt.
Ein Bauteil, das nicht durch die Tür passt, ist kein fertiges Bauteil. Teilung, Transportweg und Ausgleich für einen unebenen Bestand gehören in den Entwurf, nicht auf die Baustelle.
Zwei Dinge entscheiden, ob aus einem gelungenen Bauteil ein tragfähiges Projekt wird: eine Kalkulation, die den tatsächlichen Aufwand kennt, und eine Dokumentation, die es belegbar macht.
Das Modell rechnet mit einem Maß, das es nicht gibt
Ursache: Die Materialstärke wurde im CAD gesetzt, bevor jemand das Lieferformat geprüft hat. Folge: Nut, Fuge und Stückliste stimmen nicht mehr, und das fällt erst beim Zuschnitt auf.
Die Verbindung kommt nach der Form
Ursache: Die Geometrie steht, dann wird gesucht, wie sich die Teile fügen lassen. Folge: Wandstärken und Kanten müssen nachträglich geändert werden — oder es wird geklebt, wo eine lösbare Verbindung sinnvoll gewesen wäre.
Die Montage taucht erst am Liefertag auf
Ursache: Transportweg und Bauteilgröße wurden nicht gemessen. Folge: Ein fertiges Bauteil passt nicht durch die Tür, und die Teilung muss vor Ort improvisiert werden.
Die Nachkalkulation findet nicht statt
Ursache: Nach der Abnahme beginnt das nächste Projekt. Folge: Der Betrieb weiß nach zehn Aufträgen immer noch nicht, welche davon sich gerechnet haben.
Merksätze
Material und Lieferformat stehen vor der Geometrie, nicht danach.
Das Werkzeug bestimmt mit, welche Geometrie überhaupt entstehen kann.
Die Verbindung ist eine Entwurfsentscheidung, keine Montagefrage.
Was nicht transportiert werden kann, ist nicht gebaut.
Ohne Nachkalkulation bleibt jede Kalkulation eine Vermutung.