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Workflow 26

Vom Entwurf zur Fertigung

Ein Bauteil von der Aufgabe bis zur Dokumentation

Die einzelnen Schritte sind auf dieser Website ausführlich beschrieben. Hier stehen sie in der Reihenfolge, in der sie im Projekt tatsächlich auftreten. Dieser Workflow erklärt sie deshalb nicht noch einmal — er zeigt, welche Entscheidung wann fällt, was sie festlegt und wo das Detailwissen dazu steht.

Die Arbeitsphasen im Überblick

  1. Aufgabe, Material und Ausgangsformat klären
  2. Konstruktion entwickeln
  3. Daten und Unterlagen erzeugen
  4. Fertigen
  5. Montieren
  6. Abrechnen und dokumentieren

Das brauchst du

  • Eine Aufgabe, die über eine Formidee hinausgeht: Nutzung, Ort, Rahmen
  • Die tatsächlich lieferbaren Materialformate und -stärken
  • Das Verfahren, mit dem gefertigt wird, und die Maschine dahinter
  • Eine Vorstellung davon, wer montiert und wie das Bauteil dorthin kommt
01

Aufgabe, Material und Ausgangsformat klären

Am Anfang steht keine Geometrie, sondern ein Rahmen: Was soll das Bauteil leisten, wo steht es, wie lange soll es halten, was darf es kosten.

Aufgabe definieren

Kommt die Aufgabe von einem Kunden, werden Projektart, Ort, Zeitrahmen und Budgetrahmen vor der Entwurfsarbeit geklärt. Geht es um einen Einbau im Bestand, steht das Aufmaß am Anfang — nicht der Plan.

Material wählen

Die Materialwahl legt Verfahren, Verbindungen, Oberfläche und Lebensdauer mit fest. Sie ist die weitreichendste Entscheidung dieser Phase und nicht die, die man zuletzt trifft.

Ausgangsformat prüfen

Material kommt in festen Formaten und Stärken. Eine Platte, die nur in 18 mm lieferbar ist, darf im Modell nicht stillschweigend 20 mm dick sein — sonst stimmen später Nut, Fuge und Stückliste nicht.

02

Konstruktion entwickeln

Jetzt entsteht Geometrie — aber nicht als freie Form, sondern entlang der Entscheidungen aus Schritt 01.

Verbindung festlegen, bevor die Form steht

Wie zwei Bauteile zusammenkommen, bestimmt Wandstärken, Überstände, Kanten und Montagereihenfolge. Wird die Verbindung erst nach der Form gewählt, muss meist die Form nachgeben.

Bauteile getrennt modellieren

Jedes Bauteil ein eigenes Objekt auf einem eigenen Layer, benannt wie in der späteren Stückliste. Das ist keine Ordnungsfrage, sondern die Voraussetzung für Zeichnungen, Fräsdaten und Explosionsdarstellung.

Toleranzen und Zukaufteile einplanen

Im Modell passt alles exakt, in der Werkstatt nicht. Spiel gehört dorthin, wo gefügt wird. Beschläge, Scharniere und Auszüge bringen eigene Maße mit — sie werden vor der Konstruktion ausgewählt, nicht danach gesucht.

03

Daten und Unterlagen erzeugen

Aus dem Modell werden die Unterlagen, mit denen tatsächlich gearbeitet wird. Welche das sind, hängt am Verfahren.

Verfahren wählen

Werkzeuggeometrie berücksichtigen

Ein Innenradius beim CNC-Fräsen entsteht durch den Werkzeugdurchmesser. Eine konstruktiv scharfe Innenecke ist deshalb nicht automatisch fräsbar. Dasselbe gilt für die Schnittfuge beim Lasercut.

Zeichnungen, Daten und Stückliste

04

Fertigen

Vor dem ersten Schnitt am Werkstoff steht das Probestück, und vor dem Zuschnitt die Aufteilung auf das reale Plattenformat.

Oberfläche

Die Oberfläche wird meist vor der Endmontage aufgebaut, weil danach Flächen unzugänglich sind. Welches System gewählt wird, entscheidet zugleich, ob sich die Fläche in zehn Jahren auffrischen lässt.

06

Abrechnen und dokumentieren

Zwei Dinge entscheiden, ob aus einem gelungenen Bauteil ein tragfähiges Projekt wird: eine Kalkulation, die den tatsächlichen Aufwand kennt, und eine Dokumentation, die es belegbar macht.

Kalkulieren und nachkalkulieren

Dokumentieren

Der Dokumentationstermin liegt zwischen Montage und Abnahme. Danach ist der Raum möbliert, bewohnt oder nicht mehr zugänglich.

Wo die Kette typischerweise reißt

Das Modell rechnet mit einem Maß, das es nicht gibt

Ursache: Die Materialstärke wurde im CAD gesetzt, bevor jemand das Lieferformat geprüft hat. Folge: Nut, Fuge und Stückliste stimmen nicht mehr, und das fällt erst beim Zuschnitt auf.

Die Verbindung kommt nach der Form

Ursache: Die Geometrie steht, dann wird gesucht, wie sich die Teile fügen lassen. Folge: Wandstärken und Kanten müssen nachträglich geändert werden — oder es wird geklebt, wo eine lösbare Verbindung sinnvoll gewesen wäre.

Die Montage taucht erst am Liefertag auf

Ursache: Transportweg und Bauteilgröße wurden nicht gemessen. Folge: Ein fertiges Bauteil passt nicht durch die Tür, und die Teilung muss vor Ort improvisiert werden.

Die Nachkalkulation findet nicht statt

Ursache: Nach der Abnahme beginnt das nächste Projekt. Folge: Der Betrieb weiß nach zehn Aufträgen immer noch nicht, welche davon sich gerechnet haben.

Merksätze

  • Material und Lieferformat stehen vor der Geometrie, nicht danach.
  • Das Werkzeug bestimmt mit, welche Geometrie überhaupt entstehen kann.
  • Die Verbindung ist eine Entwurfsentscheidung, keine Montagefrage.
  • Was nicht transportiert werden kann, ist nicht gebaut.
  • Ohne Nachkalkulation bleibt jede Kalkulation eine Vermutung.